Brütende Hitze brachte uns Mountainbikerinnen in der Kiesgrube von Gränichen bereits vor dem Startschuss zum Schwitzen. Somit versuche ich mich bereits beim Aufwärmen etwas mit Coldpacks zu kühlen, auch wenn dies etwas widersprüchlich klingt, um nicht bereits überhitzt an den Start zu gehen.
Der Swiss Bike Cup in Gränichen zählt zur Hors Class (HC), der höchsten Rennkategorie nach dem Weltcup. Der Charakter der Rennstrecke in Gränichen ist (zumindest in der Schweiz) einmalig, da das Rennen gleich durch zwei Kiesgruben führt. Dementsprechend staubig waren die Verhältnisse auf der Strecke. Nebst steilen Aufstiegen gab es viele abwechslungsreiche und technisch herausfordernde Abfahrten mit rutschigen Kurven, Sprüngen und Wurzeln in den Waldabschnitten. Der Wald spendete zwar etwas Schatten, doch war es dort noch schwüler.
Nach dem verpatzten Weltcup in Leogang (AUT) starte ich mit viel Wut im Bauch und kann mich dank zwei schnellen ersten Runden in den Top 10 etablieren.
Zusammen mit der Niederländerin Sophie von Berswordt liefern wir uns einen engen Kampf. Meistens diktiere ich das Tempo unserer Zweiergruppe, doch Sophie übt immer wieder Druck auf mich aus und versucht mehrmals mit Tempoverschärfungen ihrerseits kurz vor den Abfahrten sowie Abdrängungsmanövern in den Abfahrten selbst an mir vorbeizukommen.
Ihre Angriffe kann ich zu Beginn allerdings alle abwehren. In der dritten Runde unterläuft mir aber ein Fehler: Ich kam etwas von der Ideallinie ab und musste einen etwas weiteren Weg nehmen, nebst dem ich an Tempo einbüsste. Sie lässt ihre Chance nicht ungenutzt, überholt mich und kann mich etwas distanzieren. Dies möchte ich aber nicht so auf mir sitzen lassen und schliesse im nächsten längeren Aufstieg wieder zu ihr auf und überhole sie. Der Zweikampf zwischen uns geht also weiter, denn sie beisst sich sogleich wieder an meinem Hinterrad fest.
In der fünften Runde schliesst Alessandra Keller, welche in der Startrunde stürzte, zu uns auf und überholt uns. Ich schliesse mich dann ihr an und übernehme ihr Tempo, was gleichzeitig das Ende des Zweikampfes zwischen mir und Sophie von Berswordt bedeutet, denn sie kann das Tempo nicht mitgehen.
Mein Ziel war es, bis zum Schluss bei Alessandra dranzubleiben, verliere dann beim Überholen von Juniorinnen aber ihr Hinterrad. Lange kann ich den Abstand zu ihr konstant halten. Am Ende büsse ich jedoch ein klein wenig für meine Efforts und muss realisieren, dass ich nicht mehr zu ihr aufschliessen kann, weshalb ich in den Abfahrten etwas Tempo rausnehme, um kein unnötiges Risiko eines Sturzes oder Defektes einzugehen und meinen aktuellen Rang möglicherweise zu verlieren.
Schlussendlich ist es mir möglich mir den begehrten Platz in den Top Ten zu sichern. Dies ist die erste Top 10 Klassierung für mich an einem HC Rennen, dementsprechend zufrieden bin ich mit dem Resultat! 😊
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